Zentrale  Vergleichsarbeiten  in  Brandenburg

 

Fakt: 2007 wurden im Land Brandenburg 39 Schulen geschlossen, 21 davon waren Oberschulen.

 

Frage: Gilt es, hierdurch frei gewordene Beamte „unterzubringen“ und durch verschärfte Selektion eine schlecht akzeptierte Schulform zu fördern? Ist es ein Zufall, wenn just im gleichen Jahr erstmalig „Zentrale Vergleichsarbeiten“ die Zugangsvoraussetzungen zum Gymnasium „objektivieren“ sollen?

 

 

Potsdam - Ungeachtet deutlicher Schwächen des Unterrichts sind Brandenburgs Schüler, Lehrer und Eltern mit ihren Schulen weitgehend zufrieden. Das ist das Ergebnis der Schulvisitationen 2006/07, bei der externe Fachleute öffentliche Schulen unter die Lupe nehmen. „Fünf der 118 begutachteten Schulen waren überwiegend schwach und lagen deutlich unter dem Standard”, sagte Rupprecht.

 

Frage: Werden die Schüler dieser fünf „überwiegend schwachen“ Schulen bei den „Zentralen Vergleichsarbeiten der Jahrgangsstufe 6 ausgenommen, so es sich um Grundschulen handelt?

 

Noch mehr Fragen: Nahmen 2006/2007 nicht sogar noch leistungsstarke, freiwillig gemeldete Schulen an den Visitationen teil?

 

Wie sind die Prognosen für weitere Jahrgänge? Ist es nicht vielmehr so, dass die Bewertungskriterien in einigen Bereichen sogar schon heruntergeschraubt werden mussten, weil sie nicht erfüllt werden konnten?

 

Wo veröffentlicht das MBJS die Visitations-Ergebnisse der Schulen?

 

 

Zitat Holger Rupprecht: Es geht primär darum, das Aufnahmeverfahren in die 7. Klassen zu objektivieren, das bisher nach subjektiven Kriterien gelaufen ist.

 

Wikipedia zur Begriffsklärung: Unter Subjektivität versteht man die subjektive (individuelle) Wahrnehmung eines Individuums. Subjektivität wird oft mit Unsachlichkeit gleichgesetzt, mit Voreingenommenheit und mit der Beeinflussung durch persönliche Gefühle, Interessen oder Vorurteile, aber auch mit Geschmack, Individualität und Sensibilität.

 

Frage: Was haben wir uns unter subjektiven Kriterien vorzustellen? Haben die Lehrkräfte in der Vergangenheit etwa „subjektiv“ benotet und beurteilt?

 

 

Zitat Holger Rupprecht: Das zweite Ziel ist, dass wir eine Leistungsstandsüberprüfung machen wollen bei einem wichtigen Übergang, nämlich aus der Grundschule in die weiterführende Schule. Das ist ja der Sinn aller Vergleichsarbeiten.

 

Frage: Seltsam  -  hieß es bisher nicht stets, die Diagnose– und Vergleichsarbeiten wären ein Instrument der Qualitäts– und Schulentwicklung?

 

 

Zitat: Also wir haben zwei Ziele, die wir miteinander kombiniert haben.  Und es ist - um mal Ihren Eingangstrailer zu zitieren - keine Prüfung, sondern es sind Klassenarbeiten, die allerdings höher gewichtet werden als normale.

 

Frage: Ja was denn nun? Vergleichsarbeiten oder Klassenarbeiten?

Vergleichsarbeiten als gutes Instrument zur Qualitäts– und Schulentwicklung?

Oder „Klassenarbeiten“ auf deren Deckblatt das Wort „Zentrale Vergleichsarbeit“ prangt? Mit dem Stoffvolumen einer Grundschul-Abschlussprüfung, in einem völlig ungewohnten Format und mit Bewertungskriterien, die nicht einmal allen Lehrkräften geläufig waren?

 

 

Zitat:  Minister Rupprecht begründete im RBB am 22.8.2007 die Einführung dieser Maßnahme mit seinen eigenen Erfahrungen als Schulleiter.

2a) Welche belastbaren statistischen Befunde gibt es, die belegen, dass die Erfahrungen des Ministers zu verallgemeinern sind?

Zu Frage 2a): Die Erfahrungen des Ministers für Bildung, Jugend und Sport werden durch die zahlreichen Gespräche mit Schulleiterinnen und Schulleitern von Gymnasien unterstützt. Sie zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler den Bildungsgang zur Erlangung der allgemeinen Hochschulreife mit unterschiedlichen Ausgangslagen beginnen.

 

Frage:  Dürfen Kollegengespräche in Brandenburg als wissenschaftlicher Beleg, als fundierte Grundlage akzeptiert werden?

Noch eine Frage:  Woher stammen die  „unterschiedlichen Ausgangslagen?“ Sind sie tatsächlich nur im Schüler zu suchen, oder wurde auch die Qualität der Grundschulen  in Betracht gezogen?

 

 

Zitat Bildungsminister Rupprecht: Neu sind auch zentrale Vergleichsarbeiten in Mathematik und Deutsch in den sechsten Klassen. Damit solle die Auswahl für die weiterführenden Schulen objektiviert werden.

 

Frage: Bislang entschieden die Zensuren, garniert mit einem Grundschulgutachten und Kindes– und Elternwunsch. Die Familien haben nunmehr real jegliches Mitsprache- bzw. Entscheidungsrecht verloren, denn allein der Zensurenschnitt und die Grundschulempfehlung zählen. Warum reicht  diese erhebliche Einschränkung als Objektivierungsmaßnahme nicht aus?

Noch eine Frage: Geht man davon aus, dass in Brandenburg Lehrkräfte sowohl Zensuren, als auch Gutachten nicht objektiv genug erarbeiten?

 

 

Zitat aus einem Schreiben des MBJS:

Die Schülerinnen und Schüler waren bestmöglich vorbereitet.

 

Frage: Wie kann der Verfasser das wissen?

Noch eine Frage:  Wo befindet sich der Potsdamer Glaskugel-Shop?

 

Wir haben keine einheitliche Lehrerausbildung.

Wir haben keine einheitlichen Grundschulen.

Wir haben keine einheitlichen Schulbücher.

Wir haben keine einheitlichen Lehrpläne.

 

... aber wir haben einheitliche Vergleichsarbeiten. Was vergleichen wir?

 

 

 

Zitat:  Es ist zu befürchten, dass wegen der guten Ergebnisse der Protest der Eltern gegen die Benotung der Vergleichsarbeiten nachlässt. Dies ist kurzfristig gedacht, denn Lehrer/innen wissen aus Erfahrung, dass die ersten zentral gestellten Arbeiten nach einer Reform im Allgemeinen eher leicht ausfallen. (Monika Gessat: Gymnasium: Sind Vergleichsarbeiten ein Evaluationsinstrument oder zentrale Klassenarbeit?)

 

Frage: Sind auch in Brandenburg für den „Einstieg“ eher leichte Arbeiten entwickelt worden, und ist in den Folgejahren mit einer Verschärfung zu rechnen?

 

 

Zitat: Wir denken darüber nach, die Gewichtung auf 20 Prozent zu senken“, kündigte Rupprecht nun an. Damit könne die Akzeptanz der Arbeiten erhöht werden. 

 

Frage: Und was passiert, wenn Eltern und Schüler die höchst umstrittenen Arbeiten  haben? Wird dann die Quote ersatzweise über den Schwierigkeitsgrad der Arbeiten gesteuert?

Noch eine Frage: Wer fühlt sich wirklich wohl mit einem Selektionsinstrument, dass je nach „Akzeptanz“ und Bedarf gutsherrenartig geändert werden kann?

 

Zitat: Es haben sich mehr Jungen (132) als Mädchen (39) gegenüber ihren Vornoten

Verbessert, während sich 1302 Mädchen, aber nur 872 Jungen verschlechterten. Jungen sind, so vermutet Rupprecht, bei Prüfungen „cooler“.

 

Frage: Wie „cool“  werden diese Mädchen wohl im (oft als Anschwächung zitierten)  Probeunterricht vor fremden Lehrern sein?

 

Die Aufgabe ist für alle gleich. Klettern Sie auf den Baum. Bitte anklicken!

 

 

 

Zitate:

 

 

Humanität besteht darin, dass niemals ein Mensch einem Zweck geopfert wird.

 

Albert Schweitzer

 

 

 

 

Ich wünschte oft, dass über dem Eingang zu unseren Schulen stünde: „Hier sollt ihr Spaß am Falschmachen haben.

 

Heinrich Jacoby

 

 

 

 

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

 

Afrikanisches Sprichwort

 

 

 

 

Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles, was man in der Schule gelernt hat, vergisst.

 

Albert Einstein

 

 

 

 

Wenn der Wind der Veränderung stärker wird, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.

 

Sprichwort

 

 

 

 

Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen.

 

Heraklit

 

 

 

 

Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.

 

Benkamin Franklin

 

 

 

 

Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad der Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.

 

Arthur Schopenhauer

 

 

 

 

 

Der Politik ist eine Form der Lüge zwangsläufig zugeordnet: Das Ausgeben des für die Partei Nützlichen als das Gerechte.

 

Carl Friedrich von Weizsäcker

 

 

 

 

 

Politik ist der stets neu zu schaffende Kompromiss von Macht und Vernunft.

 

Carl Friedrich von Weizsäcker

 

 

 

 

 

In der Politik ist es wie in der Mathematik: alles, was nicht ganz richtig ist, ist falsch.

 

Edward Kennedy

 

 

 

 

 

Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut werden, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist.

 

Marcus Tullius Cicero